Der Fachkräftemangel hat den öffentlichen Dienst fest im Griff: 600.000 Mitarbeitende fehlten im Januar 2026. Die Konkurrenz aus der Privatwirtschaft ist groß, daher müssen sich Kommunen als gute Arbeitgeber positionieren, um neue Fachkräfte anzusprechen. Wo oft das nötige Augenmerk fehlt: beim Auswahlverfahren und dem Ablauf des Bewerbungsprozesses – also der Candidate Experience. Potenzielle Mitarbeitende stellen schon frühzeitig fest, ob sie den Arbeitgeber positiv oder negativ sehen – wie also hier punkten?
Schaffen Sie positiv wahrnehmbare Punkte im Bewerbungsprozess
Die Bewerbung ist für potenzielle Mitarbeitende immer aufwändig. Allerdings gibt es in den letzten Jahren Möglichkeiten, wie Arbeitgeber ihnen diesen Prozess erleichtern können – ob sie das tun, wird durchaus registriert.
Zu den positiv wahrgenommenen Punkten zählen die folgenden:
- Für die Zielgruppe ansprechende Stellenanzeigen
- Unkomplizierte und niedrigschwellige Bewerbungsprozesse
- Persönliche und wertschätzende Ansprache
- Hochwertige Auswahlverfahren
- Gut vorbereitete Gegenüber im Bewerbungsgespräch
- Transparenz bei Informationen zur jeweiligen Stelle und zur Unternehmenskultur
- Absage mit Begründung
Potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten betrachten den Arbeitgeber mit mehr Wohlwollen, wenn sie sich gesehen und als Person wertgeschätzt fühlen.
Veröffentlichen Sie passende Stellenanzeigen
Überlegen Sie, welche Fachkräfte Sie ansprechen möchten und wie Sie das am besten tun. Seien Sie akkurat in der Stellenbeschreibung, was die unbedingten Voraussetzungen und die Nice-to-Haves angeht. Heben Sie die Benefits hervor und platzieren Sie die Anzeigen überall dort, wo die gesuchte Zielgruppe sie sehen kann – online wie offline.
Gestalten Sie Bewerbungsprozesse einfach und niederschwellig
Die Zeiten physischer Bewerbungsmappen, die per Post auf dem Schreibtisch landeten und sich dort zu deckenhohen Türmen stapelten, sind glücklicherweise vorbei. Möchten Sie es Ihren potenziellen neuen Mitarbeitenden so einfach wie möglich machen, implementieren Sie ein Bewerbungsverfahren online auf Ihrer Website: So müssen Interessierte nur die angegebenen Felder ausfüllen und einige Dokumente hochladen.
Auch sich selbst ersparen Sie so aufwendige Prüfungen: Sie können beispielsweise dafür sorgen, dass die Formulare bei fehlerhaft ausgefüllten Feldern nicht abgeschickt werden können. Stattdessen sollten Sie den Bewerberinnen und Bewerbern zeigen, wo der Fehler liegt, damit sie ihn korrigieren können.
Seien Sie persönlich während der gesamten Candidate Journey
Auf die eingegangene Bewerbung können Sie ruhig eine automatisierte Eingangsbestätigung schicken. Sobald allerdings der nächste Schritt ansteht – sei es eine Rückfrage oder eine Einladung zum Gespräch oder Assessmentcenter –, sollten Sie zur persönlichen Kommunikation übergehen.
Werden potenzielle neue Mitarbeitende im Bewerbungsprozess zu lange mit automatisierten und nichtssagenden Antworten abgespeist, empfinden sie das als wenig wertschätzend. So kommen sie skeptischer zum ersten Termin, als es nötig wäre.
Nehmen Sie sich Zeit für detaillierte Auswahlverfahren
Mit Eignungstests überprüfen Sie die kognitiven, fachlichen und sozialen Qualifikationen der Bewerberinnen und Bewerber. In manchen Fällen laden Sie sie auch zum Assessmentcenter ein, um ihnen mit Rollenspielen, Gesprächen und Präsentationen auf den Zahn zu fühlen. Je hochwertiger und fairer diese Auswahlverfahren sind, desto besser: Die Bewerberinnen und Bewerber sollen nachvollziehen können, warum ihnen die jeweiligen Aufgaben gestellt werden.
Bereiten Sie sich gut auf Bewerbungsgespräche vor
Bewerberinnen und Bewerber merken schnell, ob ihr Gegenüber sich auf das Gespräch vorbereitet hat oder nicht. Muss die Person erst in den Unterlagen kramen, um den richtigen Namen zu finden, oder stellt sie Fragen, die in der Bewerbung bereits beantwortet worden sind, wirkt das Gespräch generisch und austauschbar.
Jobinteressierte haben so nicht das Gefühl, dass sie als Person zählen – sondern nur die berüchtigte Nummer im System sind. Entsprechend wird sich bei ihnen auch höchstens ein lauwarmes Interesse entwickeln.
Seien Sie transparent hinsichtlich Stelle und Unternehmenskultur
Sie möchten, dass die Person Ihnen gegenüber Teil des Teams wird. Entsprechend sollten Sie die wichtigen Informationen liefern:
- Was genau werden die Aufgaben umfassen?
- Für welchen Teil der Arbeit sind die geforderten Fähigkeiten wichtig?
- Wie groß ist das Team?
- Wie verläuft der Arbeitstag?
- Welches Arbeitsequipment steht zur Verfügung?
- Wer wird sich um die Neuankömmlinge kümmern, wie verläuft das Onboarding?
- Wie sieht die Unternehmenskultur aus – was sind Ihre Werte als Arbeitgeber?
Auch über Gehalt, Urlaubstage und Benefits sollten Sie sprechen – so offen und transparent, wie nur möglich. Ermuntern Sie außerdem Ihr Gegenüber zu weiteren Fragen.
Sagen Sie (nur) mit Begründung ab
Haben Sie sich schließlich für eine Person entschieden, schicken Sie den anderen Bewerberinnen und Bewerbern Absagen – aber mit Begründung! Personen, die sich die Mühe einer Bewerbung und dann des Bewerbungsgesprächs gemacht haben, möchten wissen, woran es gescheitert ist.
Manche Menschen erhalten hintereinander mehrere Absagen, ohne dass sie wissen, woran es liegt. Verdeutlichen Sie, was der Stolperstein war, können sie daraus lernen.
Tipp: Was trotz Absage ein positives Gefühl vermittelt, ist die Betonung, welche Punkte Ihnen gut gefallen haben, und die Bitte, die Unterlagen für einen später auftretenden Bedarf an besser passender Stelle speichern zu dürfen.
Fazit: Wertschätzung ist Teil des Employer Brandings
Dass Bewerberinnen und Bewerber Bittstellende im Bewerbungsprozess waren, ist lange vorbei. Auch damals sprach es natürlich für den Arbeitgeber, wenn er transparent und höflich kommunizierte, allerdings war das längst nicht so wichtig wie heute: Inzwischen können sich Jobinteressierte ihren Arbeitsplatz aussuchen und nicht umgekehrt. Zudem ermöglichen Arbeitgeber-Vergleichsseiten wie etwa kununu es nicht nur Mitarbeitenden, sondern auch Bewerberinnen und Bewerbern, ein öffentliches Feedback zu hinterlassen.
Viele Leute auf Jobsuche informieren sich zuerst im Netz über die infrage kommenden Arbeitgeber. Lesen sie hier Beschreibungen von unprofessionellen Bewerbungsgesprächen oder sinnlosen Auswahlverfahren, entscheiden sie sich möglicherweise gegen die Bewerbung. Arbeitgeber hingegen, die einen unkomplizierten, persönlichen, professionellen und wertschätzenden Bewerbungsprozess ermöglichen, erhalten oft sogar bei einer Absage gute Bewertungen dafür.
Vor allem der öffentliche Dienst profitiert von gut organisierten und professionellen Bewerbungsverfahren: Manche Unternehmen in der Privatwirtschaft versuchen noch immer, sich mit möglichst ausgefallenen Fragen im Bewerbungsprozess hervorzutun – die aber niemand hören will. Als Arbeitgeber im Staatsdienst hingegen sollten Sie ein Gefühl von Sicherheit, Professionalität und Aufrichtigkeit vermitteln. So können Sie einen wohltuenden Kontrapunkt zu den vermeintlichen Herausforderungen der privaten Unternehmen bieten.
